DIE CHRONIK DES I.F.R.
(Institut für Rohstofflogik – Ausgabe für angewandte Fehlinterpretationskunde)
Im Jahr des ersten Spatenschnitts,
als die Morgenröte so überzeichnet brannte,
dass selbst der Barbar annahm, der Server habe „die Grafik falsch geladen“,
erhob sich eine Einrichtung, die weder genehmigt,
noch begriffen,
aber sofort benutzt wurde:
Das Institut für Rohstofflogik — I.F.R.
Keine Gilde.
Kein Stamm.
Sondern eine Klinik für rationellen Wahnsinn,
in der die uralte Maxime galt:
„Morgenstund hat Axt im Mund“
–
ein Sprichwort, das hier streng wissenschaftlich fehlinterpretiert wird
als Hinweis darauf,
dass frühe Offs bekanntlich am gefährlichsten kauen.
Hier wird Holz produziert,
selbst wenn das Sägewerk auf Sabbatical ist.
Hier wird Lehm seziert wie eine scheue Amphibie.
Hier wird Eisen höflich verhört,
warum es so ungern verfügbar ist.
Denn im I.F.R. gilt die Lehrmeinung:
„Was du heute kannst entdörfern,
das verschiebe nicht auf morgen“ –
ein Satz, der angeblich aus der Hochphase mittelalterlicher Ressourcenlyrik stammt,
auch wenn Historiker diese Epoche verneinen.
BALTA94 – Nervendoktor und Leiter der Abteilung „Kontrollierte Panik“.
Berufsbild laut CFR (Codex der Forschenden Rohstoffsammler):
„Therapeut für Effizienzstörungen – ohne eigene Nervenfasern“.
Balta gilt als der Einzige im Institut,
der innere Ruhe zu stabilisieren vermag,
obwohl seine eigene Ruhe bereits 2017 aus personellen Gründen abgeschafft wurde.
Er erkennt Feindbewegungen,
indem sein Augenlid spontan Morsezeichen schlägt.
Dies bezeichnet er als
„Neurotransmitterbasierte Frühwarnanthropologie“.
In seinen Vorlesungen zitiert er oft den Lehrspruch:
„Wo gehobelt wird, da fallen Dörfer.“
Ein Satz, den er irrtümlich Martin Luther zuschreibt
und als Beleg dafür nutzt,
dass Katapultphysik ein göttliches Naturrecht sei.
Sein Grundsatz „Der frühe Farm fängt den Bash“
wird mittlerweile als therapeutisches Mantra genutzt,
um Spieler mit unkontrollierter Rohstoffangst zu beruhigen.
Auch wenn niemand weiß, was der Satz bedeutet,
arbeiten überraschend viele danach.
Wenn Balta sagt: „Alles unter Kontrolle“,
meint er lediglich,
dass er die Krise wissenschaftlich dokumentiert hat
und später entscheiden will,
ob sie sich wenigstens lohnt.
PSYCHOSEN-PETER – Brandgutachter des Speichers,
Nachtstatistiker, Tabellenverhörmeister,
und laut eigener Aussage
„der einzige Mensch, der Produktionsboni akustisch differenzieren kann“.
Seine Welt beginnt mit einem Zitat,
das er Konrad Adenauer zuschreibt – falsch, aber bestimmt:
„Was interessiert mich mein Gerede von gestern,
wenn das Holz von morgen bereits nervös wird.“
Peter behauptet, Adenauer habe dies
„in der frühen Rohstoffkrise von 1823“ gesagt.
Weder die Krise noch das Zitat existieren,
aber Peters Glaube daran ist stabiler als jede Mauer auf Level 20.
Peter hört Rohstoffe.
Holz klingt für ihn wie „selbstbewusstes Knacken“,
Lehm wie „trauriges Ploppen“,
Eisen wie „mikroaggressives Schweigen“.
Er interpretiert Sprichwörter mit wissenschaftlicher Rücksichtslosigkeit.
Besonders gern verwendet er:
„Wer andern eine Grube baut, hat Deff geparkt.“
Er sieht darin ein „soziostrukturelles Konzept der Dorfgravitation“.
Einmal las Peter ein Archivprotokoll rückwärts,
bei Kerzenlicht, auf Latein (das er nicht spricht),
und kam zu der Schlussfolgerung,
dass „Rohstoffe emotionale Langzeitfriktionen“ haben
und ein Dorf erst produktiv werde,
wenn es „die eigene Holzseele akzeptiert“.
Bei Diagnosen sagt er Sätze wie:
„Das Eisen verweigert heute den Dialog“,
„Der Speicher ist beleidigt“
oder
„Der Wall leidet unter Belastungsidentität“.
Seine bekannteste Forschungsregel lautet:
„Steter Tropfen höhlt den Speicher.“
Molly widerspricht ihm jedes Mal – erfolglos.
Man weiß nie,
ob Peter verrückt ist
oder nur eine Form von Wissenschaft betreibt,
die der Rest der Welt noch nicht versteht.
MOLLY24.08 – Tiefbauverantwortliche,
Spezialistin für statische Nervenzusammenbrüche im Untergrund,
und laut I.F.R.-Klassifikation
„Geomantische Krisenmoderation der Bodenpsychologie“.
Molly glaubt fest daran,
dass jedes Dorf geologische Stimmungsschwankungen besitzt.
Ihr Helm leuchtet,
wenn die Erde „etwas vorhat“.
Ihr Leitsatz, den sie fälschlich Aristoteles zuschreibt, lautet:
„Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie der Wall.“
Damit erklärt sie jegliche Baufehler
als „philosophische Distanzprobleme“.
Sie diagnostiziert nicht Gebäude,
sondern Absichten:
„Da sackt was.“
„Der Boden ringt mit sich.“
„Dieser Speicher hat Schuldgefühle.“
„Das Dorf atmet krumm.“
Wenn man sie fragt, wie sie das wisse,
antwortet sie mit einem Sprichwort,
das sie selbst erfunden hat:
„In der Ruhe liegt die Rohstofflogik.“
Psychosen-Peter ergänzt meistens ungefragt:
„…aber nicht die Produktion.“
Molly glaubt,
dass die Tektonik der Welt von Spielern beeinflusst wird.
Balta nennt das „Wahnsinn“.
Peter nennt es „messbar“.
Das Institut nennt es „Dienstag“.
Das I.F.R. versteht sich nicht als Stamm,
sondern als „Therapiestätte für angewandte Effizienzstörungen“.
Spieler werden nicht geheilt –
sie werden neu berechnet.
Jedes Dorf ist ein Versuchskörper.
Jede Off ein statistischer Unfall mit Absicht.
Jede Deff eine „defensive Sozialstruktur“.
Jeder Fehlklick eine „kognitiv-ressourcenorientierte Störungseinheit“.
Im Institut gilt die pseudo-wissenschaftliche Maxime:
„Cogito ergo farm.“
Peter behauptet, Descartes habe dies
„zwischen zwei Farmruns“ gesagt.
Und so sitzt das I.F.R. in seinen Hallen,
zählt die Frames zwischen zwei Rohstoffticks
und bezeichnet das feierlich als
„Empirische Produktionskontinuumsforschung“.
„Veni, vidi, farmi“ –
ein uralter Wahlspruch des I.F.R.,
der traditionell falsch übersetzt wird mit:
„Ich kam, sah – und dann war Holz alle.“
„Carpe Diem“ wird intern angewandt als:
„Carpe Lehm“ –
was frei übertragen bedeutet:
„Greif den Lehm, bevor er schlechte Laune bekommt.“
Ein weiterer Lehrsatz des Instituts:
„Mens sana in corpore… Dorf.“
Die ursprüngliche Bedeutung ging verloren,
aber man glaubt, es habe etwas mit
ganzheitlicher Bauplatz-Aromatherapie zu tun.
Balta verabschiedet sich gern mit den Worten:
„Ad hoc, ad loc, ad… Holzblock.“
Es ergibt keinen Sinn,
aber er behauptet,
das habe Aristoteles gesagt,
kurz bevor er ein Katapult erfand.
Historiker sind verwirrt – zurecht.
Psychosen-Peter hingegen zitiert oft sein Lieblingsmotto:
„Tempus fugit, Off folgt.“
Die Lateiner weinen jedes Mal ein bisschen.
Molly verabschiedet sich traditionell mit:
„Wer den Boden ehrt, wird selten gestört.“
Gefolgt von einem kryptischen Zusatz wie:
„Der Untergrund lügt nie.“
(Was objektiv falsch ist.)
Zu besonderen Anlässen rezitiert das gesamte I.F.R. gemeinsam:
„Subtrahiere, dividere,
doch niemals dein Dorf verlieren,
multipliziere deine Off –
und der Gegner wird erfrieren.“
Niemand kennt die Herkunft.
Alle tun so, als ob.
Popkultureller Einschub,
vermutlich von einem Praktikanten eingeschmuggelt,
aber inzwischen heilig gesprochen:
„Wenn’s nicht klappt – blame the algorithm.“
Auch wenn niemand weiß,
ob damit der Rohstofftick,
der Server
oder Psychosen-Peters Stimme gemeint ist.
Das aktuelle Institutsmotto,
abgeleitet aus einem Fehler in einer Forschungsdatei,
lautet:
„May the Farm be with you.“
Einziger Kommentar der Leitung:
„Ist zwar falsch, aber wenigstens eingängig.“
Und so endet jede offizielle IFR-Sitzung
mit dem uralten, hochwissenschaftlichen,
traditionell sinnlosen Abschiedsspruch:
„Quod non habes in capite,
habes in der Farmqueue.“
– Was frei übersetzt bedeutet:
„Wenn du nicht denkst,
schick halt mehr Off.“